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ETF Guide

ETF Guide 2026:
Alles was du wissen musst

Von den Grundlagen bis zur Steuererklärung – der komplette Leitfaden für ETF-Investoren in Deutschland.

20 Min. Lesezeit · Zuletzt aktualisiert: 2026

Was du lernst:

Was ETFs sind und wie sie funktionieren

Welcher ETF für dich geeignet ist

Wie du einen Sparplan startest

Wie du Steuern legal sparst

Was ist ein ETF?

ETF steht für Exchange Traded Fund – auf Deutsch: börsengehandelter Indexfonds. Ein ETF bildet einen Index wie den MSCI World oder den S&P 500 nach und wird genau wie eine Aktie an der Börse gehandelt. Du kaufst mit einem einzigen ETF-Anteil automatisch ein Stück von hunderten oder tausenden Unternehmen gleichzeitig.

Der grundlegende Unterschied zum klassischen aktiven Investmentfonds: Ein aktiver Fonds hat einen Fondsmanager, der versucht, den Markt zu schlagen – und dafür hohe Gebühren verlangt. Ein ETF dagegen folgt passiv einem vorgegebenen Index. Er kauft einfach alle Aktien darin, ohne dass ein teures Managementteam Entscheidungen trifft.

Das Ergebnis: ETFs kosten typischerweise 0,10 bis 0,50 % pro Jahr, während aktive Fonds oft 1,5 bis 2,5 % verlangen. Dieser Kostenunterschied klingt klein – bei 30 Jahren Laufzeit und 50.000 € Kapital bedeutet er jedoch einen Unterschied von über 30.000 €.

Dazu kommt ein weiterer Faktor: Laut einer Studie von SPIVA schaffen es über 90 % der aktiv gemanagten Fonds nicht, ihren Vergleichsindex über einen Zeitraum von 15 Jahren zu schlagen. Das bedeutet: Wer einen günstigen Index-ETF kauft, schlägt langfristig die meisten Profis.

MerkmalETF (passiv)Aktiver Fonds
Kosten (TER)0,10–0,50 %/Jahr1,50–2,50 %/Jahr
ZielIndex nachbildenIndex schlagen
TransparenzTäglich bekanntOft intransparent
Marktschlag 15 J.~100 % (des Index)< 10 % aller Fonds

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Wie funktioniert ein ETF?

ETFs funktionieren durch Replikation – sie bilden einen Index nach. Dabei gibt es zwei grundlegende Methoden:

Physische Replikation: Der ETF kauft tatsächlich alle Aktien, die im Index enthalten sind. Bei einem MSCI World ETF sind das rund 1.500 Unternehmen. Das ist die transparenteste und sicherste Methode – du weißt genau, was im ETF steckt. Bei sehr vielen oder illiquiden Wertpapieren wird oft eine Teilmenge der wichtigsten Aktien gekauft (sogenanntes Sampling).

Synthetische Replikation: Hier kauft der ETF nicht die Aktien selbst, sondern schließt einen Tauschvertrag (Swap) mit einer Bank ab. Die Bank verpflichtet sich, die Index-Rendite zu liefern. Synthetische ETFs können auch in illiquide Märkte investieren, tragen aber ein gewisses Kontrahentenrisiko. Für Einsteiger sind physisch replizierende ETFs einfacher zu verstehen.

Eine weitere wichtige Unterscheidung betrifft die Dividendenstrategie:

EigenschaftAusschüttendThesaurierend
DividendenWerden ausgezahltWerden reinvestiert
SteuernJährlich auf DividendenErst beim Verkauf*
Für wenRegelmäßiges EinkommenLangfristiger Vermögensaufbau
ZinseszinseffektSchwächer (manuell reinvestieren)Stärker (automatisch)

* Bei thesaurierenden ETFs fällt jährlich eine Vorabpauschale an – eine Art Steuervorauszahlung.

Für den langfristigen Vermögensaufbau empfehlen die meisten Experten thesaurierende ETFs, da Dividenden automatisch reinvestiert werden und der Zinseszinseffekt vollständig wirkt. Wer hingegen ein passives Einkommen aufbauen möchte, kann ausschüttende ETFs bevorzugen.

ETF-Typen im Überblick

Nicht alle ETFs sind gleich. Je nach Anlagestrategie und Risikobereitschaft gibt es sehr unterschiedliche Typen. Hier ein Überblick der wichtigsten:

TypBeispiel-IndexTER (typisch)Für wen
Aktien-ETFMSCI World0,10–0,20 %Alle – Basisinvestment
Anleihen-ETFGlobal Aggregate Bonds0,10–0,15 %Konservative Anleger
Immobilien-ETFFTSE Global REIT0,20–0,25 %Diversifizierer
Rohstoff-ETCGold (physisch)0,12–0,15 %Absicherung & Inflation
Themen-ETFClean Energy, AI0,45–0,75 %Fortgeschrittene

Empfehlung für Einsteiger: Ein einziger breit gestreuter Aktien-ETF (z.B. auf den MSCI World oder FTSE All-World) reicht völlig aus. Dieser Eine ETF investiert bereits in tausende Unternehmen weltweit – mehr Diversifikation ist kaum möglich. Beginne einfach, bevor du das System perfektionierst.

Themen-ETFs (Clean Energy, Artificial Intelligence, Blockchain) klingen verlockend, haben aber wichtige Nachteile: Sie sind weniger diversifiziert, teurer und oft zyklisch. Historisch performen viele Themen-ETFs schlechter als ein einfacher Welt-ETF – nach Kosten und über einen vollen Marktzyklus gesehen. Für Einsteiger ist das Risiko-Rendite-Verhältnis ungünstig.

Die besten ETFs für Einsteiger

Wir nennen keine konkreten Produkte und keine ISINs – das wäre keine Anlageberatung. Stattdessen erklären wir die drei beliebtesten Indizes, die bei deutschen ETF-Investoren seit Jahren ganz oben stehen. Zu jedem dieser Indizes gibt es mehrere ETFs verschiedener Anbieter (iShares, Vanguard, Xtrackers, Amundi), die du bei deinem Broker findest.

1

MSCI World

Unternehmen: ~1.500Länder: 23 IndustrieländerUSA-Anteil: ~65 %TER (typisch): 0,10–0,20 %Seit: 1969

Der Klassiker unter den ETF-Indizes. Enthält die größten börsennotierten Unternehmen aus 23 Industrieländern – von Apple und Microsoft über LVMH bis Toyota. Mit einem USA-Anteil von rund 65 % ist er stark auf nordamerikanische Großunternehmen ausgerichtet, was historisch eine sehr hohe Rendite bedeutete. Für die meisten Einsteiger die erste Wahl.

2

FTSE All-World

Unternehmen: 4.000+Länder: 50+ inkl. SchwellenländerUSA-Anteil: ~60 %TER (typisch): 0,15–0,22 %Emerging Markets: Inklusive

Breiter als der MSCI World: enthält zusätzlich Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien. Über 4.000 Unternehmen aus mehr als 50 Ländern. Wer eine noch breitere globale Diversifikation möchte, ist hier richtig. Die etwas höheren Kosten gegenüber dem MSCI World sind durch den Mehrwert der Schwellenländer-Diversifikation gerechtfertigt.

3

S&P 500

Unternehmen: 500Länder: USAUSA-Anteil: 100 %TER (typisch): 0,07–0,15 %Seit: 1957

Die 500 größten US-amerikanischen Unternehmen. Historisch die höchste Rendite aller drei Indizes – aber auch das höchste Klumpenrisiko durch die exklusive USA-Fokussierung. Für Anleger, die bewusst auf die Stärke des US-Marktes setzen wollen oder bereits einen MSCI World haben und diversifizieren möchten.

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ETF-Sparplan starten – Schritt für Schritt

Einen ETF-Sparplan einzurichten ist heute vollständig digital und dauert weniger als 15 Minuten. Hier die fünf Schritte im Detail:

1

Broker auswählen

Nicht jeder Broker ist gleich gut für ETF-Sparpläne geeignet. Achte auf: Höhe der Sparplangebühren (viele Broker bieten 0 €), Mindest-Sparrate (oft 1 €), Anzahl der sparplanfähigen ETFs und Benutzerfreundlichkeit der App oder Website.

2

Depot eröffnen (Video-Ident, ca. 10 Min.)

Die Depot-Eröffnung ist vollständig online. Du gibst deine persönlichen Daten an (Name, Adresse, Steuer-ID, Erfahrungen mit Wertpapieren) und legitimierst dich per Video-Ident per Personalausweis. Das geht meist innerhalb weniger Minuten.

3

ETF suchen (per ISIN oder Name)

Such im Broker nach deinem gewünschten ETF – entweder per Name (z. B. „MSCI World") oder per ISIN. Vergleiche die verfügbaren ETFs nach TER, Fondsgröße und Replikationsmethode. Größere Fonds (> 500 Mio. €) sind liquider und seltener von Schließungen betroffen.

4

Sparplan einrichten (Betrag & Rhythmus)

Lege den monatlichen Betrag fest. Als Faustregel gilt: 10–20 % des Nettoeinkommens. Wähle den Ausführungsrhythmus (monatlich ist am verbreitetsten) und den Ausführungstag. Manche Broker bieten auch zweimonatliche oder quartalsweise Ausführungen an.

5

Fertig – der Sparplan läuft automatisch

Ab jetzt kauft der Broker monatlich automatisch ETF-Anteile für dich. Du musst nichts weiter tun. Du kannst den Sparplan jederzeit pausieren, anpassen oder kündigen – ohne Mindestlaufzeit oder Gebühren.

Die günstigsten Broker im Vergleich

BrokerSparplanMindest-RateETFs
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Scalable Capital0 €1 €2.000+
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Kosten & Steuern

Kosten bei ETFs

ETFs haben im Vergleich zu aktiven Fonds sehr geringe Kosten. Diese Kostenarten solltest du kennen:

TER (Total Expense Ratio): 0,07–0,50 % pro Jahr. Die wichtigste Kostenziffer – wird täglich aus dem Fondsvermögen entnommen, du zahlst sie nicht direkt.

Transaktionskosten beim Kauf: Bei ETF-Sparplänen: meist 0 €. Bei Einmalorders: 0–5 € je nach Broker.

Spread (Geld-Brief-Spanne): Minimaler Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Bei großen, liquiden ETFs vernachlässigbar (< 0,05 %).

Steuern auf ETFs in Deutschland

In Deutschland unterliegen Kapitalerträge – also Gewinne aus ETF-Verkäufen und Dividenden – der Abgeltungssteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag (5,5 %) und ggf. Kirchensteuer. Der effektive Steuersatz liegt meist bei ca. 26,375 %.

Wichtig: Der Freistellungsauftrag erlaubt dir, Kapitalerträge bis zu 1.000 € pro Jahr steuerfrei zu vereinnahmen (2.000 € bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren). Stelle diesen unbedingt bei deinem Broker ein – sonst bezahlst du unnötig Steuern.

WasWann fälligWie viel
Kursgewinne (Aktien-ETF)Beim Verkauf25 % + Soli = ~26,4 %
Dividenden (ausschüttend)Bei Ausschüttung25 % + Soli = ~26,4 %
Vorabpauschale (thesaurierend)Jährlich im Januar25 % auf Basisbetrag
Freistellungsauftrag1.000 € p.a. steuerfrei

Die Vorabpauschale ist eine Besonderheit bei thesaurierenden ETFs: Da keine Dividenden ausgezahlt werden, erhebt das Finanzamt eine jährliche Vorauszahlung auf fiktive Erträge. Basis ist der Basiszins der Deutschen Bundesbank. Die Vorabpauschale wird direkt vom Verrechnungskonto beim Broker eingezogen – du musst nichts selbst tun.

Kapitalertragsteuer berechnen

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Vorabpauschale berechnen

Vorabpauschale berechnen

Die 7 häufigsten ETF-Fehler

Diese Fehler begehen viele Einsteiger – und kosten langfristig echtes Geld:

1. Zu viele ETFs kaufen

Drei verschiedene ETFs machen dein Portfolio nicht besser diversifiziert – ein globaler Welt-ETF enthält bereits tausende Unternehmen aus allen Sektoren. Viele ETFs erhöhen nur Komplexität, Kosten und Verwirrung. Für Einsteiger: ein ETF reicht.

2. In der Krise verkaufen

Börsenkorrekturen von 20–40 % sind normal und historisch immer temporär gewesen. Wer im Crash verkauft, realisiert Verluste und verpasst die anschließende Erholung. Der MSCI World hat sich nach jedem Einbruch – inklusive 2000, 2008 und 2020 – vollständig erholt.

3. Zu spät anfangen

Jedes Jahr Warten kostet durch den Zinseszinseffekt überproportional viel. Wer mit 25 statt 35 beginnt, kann bei gleicher monatlicher Einzahlung am Ende einen sechsstelligen Unterschied erzielen – einfach weil das Kapital 10 Jahre länger wächst.

4. Themen-ETFs übergewichten

Clean Energy, KI, Krypto – Themen-ETFs klingen verlockend. Aber sie sind weniger diversifiziert, teurer und stark zyklisch. Wer 50 % seines Portfolios in einen Themen-ETF steckt, trägt erheblich mehr Risiko als mit einem Welt-ETF.

5. TER ignorieren

0,50 % statt 0,10 % TER klingen nach wenig Unterschied. Auf 30 Jahre und 50.000 € Kapital summiert sich das auf über 20.000 € weniger Endvermögen. Beim Vergleich ähnlicher ETFs auf denselben Index solltest du immer den günstigsten wählen.

6. Freistellungsauftrag vergessen

1.000 € Kapitalerträge pro Jahr sind steuerfrei – aber nur wenn du einen Freistellungsauftrag bei deinem Broker gestellt hast. Ohne diesen Auftrag führt der Broker automatisch 25 % Abgeltungssteuer ab. Du kannst zuviel gezahlte Steuer zwar zurückfordern, aber es ist unnötig kompliziert.

7. Alles in einen Sektor investieren

Wer nur Technologieaktien, nur deutsche oder nur europäische Unternehmen kauft, ist stark dem Klumpenrisiko ausgesetzt. Ein globaler ETF schützt vor dem Totalausfall einzelner Regionen oder Branchen. Diversifikation ist das einzige wirklich kostenlose Mittagessen in der Finanzwelt.

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Häufige Fragen zu ETFs

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 2026.