Rentenlücke: Was sie ist und warum sie wächst
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen deiner erwarteten gesetzlichen Rente und dem Betrag, den du im Alter monatlich tatsächlich brauchst. Experten empfehlen, im Alter ca. 70–80 % des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung zu haben.
Das Problem: Das gesetzliche Rentenniveau sinkt langfristig. Lag es früher bei rund 53 % des Durchschnittslohns, beträgt es heute nur noch ca. 48 % – und wird bis 2040 voraussichtlich auf unter 45 % fallen. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung: Wer heute mit 67 in Rente geht, muss sein Kapital im Schnitt für 20+ Jahre einplanen.
Typische Rentenlücken-Beispiele
| Wunscheinkommen/Monat | Erwartete Rente | Monatliche Lücke | Kapitalbedarf* |
|---|---|---|---|
| 2.000 € | 1.200 € | 800 € | ~192.000 € |
| 2.500 € | 1.400 € | 1.100 € | ~264.000 € |
| 3.000 € | 1.600 € | 1.400 € | ~336.000 € |
* Bei 4 % Entnahmerate über 30 Jahre Rentenbezug
Deine persönliche Rentenlücke berechnen
Trage dein aktuelles Einkommen, Renteneinschätzung und Wunscheinkommen ein – der Rechner zeigt dir genau, wie viel Kapital du brauchst.
Zum Rentenlücken-Rechner →Gesetzliche Rente: Was du erwarten kannst
Die gesetzliche Rentenversicherung funktioniert nach dem Umlageverfahren: Die Beiträge der heutigen Arbeitnehmer finanzieren die Renten der heutigen Rentner. Angesichts des demografischen Wandels – immer mehr Rentner, immer weniger Beitragszahler – steht dieses System unter wachsendem Druck.
Deine Rentenansprüche werden in Rentenpunkten gemessen. Pro Jahr mit dem Durchschnittsverdienst (ca. 45.358 € brutto in 2024) sammelst du genau einen Punkt. Wer mehr verdient, sammelt proportional mehr; wer weniger verdient, entsprechend weniger. Ein Punkt ist 2026 ca. 39,32 € monatliche Rente wert.
| Arbeitsjahre | Gesammelte Punkte | Monatliche Rente (ca.) |
|---|---|---|
| 30 Jahre (Durchschnitt) | 30 Punkte | ~1.180 € |
| 35 Jahre (Durchschnitt) | 35 Punkte | ~1.376 € |
| 40 Jahre (Durchschnitt) | 40 Punkte | ~1.573 € |
| 45 Jahre (Durchschnitt) | 45 Punkte | ~1.769 € |
Rentenauskunft: Ab 27 Jahren bekommst du automatisch eine jährliche Renteninformation von der Deutschen Rentenversicherung. Unter deutscherentenversicherung.de kannst du deine bisherigen Ansprüche online einsehen – das ist der Ausgangspunkt für deine persönliche Vorsorgeplanung.
ETF-Sparplan als private Altersvorsorge
Ein ETF-Sparplan auf einen breit gestreuten Welt-Index ist für die meisten Menschen die effizienteste Form der privaten Altersvorsorge: günstiger als Lebensversicherungen, flexibler als Riester, renditestärker als Sparbücher. Historisch haben Index-ETFs langfristig 7–8 % Rendite per annum erzielt.
Der entscheidende Vorteil gegenüber staatlich geförderten Produkten: Volle Flexibilität. Du kannst jederzeit auf das angesparte Kapital zugreifen (im Notfall), die Sparrate anpassen oder den Sparplan pausieren – ohne Mindestlaufzeiten, ohne Rückkaufsverluste, ohne Versicherungsgebühren.
Wie viel Kapital entsteht? (7 % Rendite p.a.)
| Monatliche Sparrate | 20 Jahre | 30 Jahre | 40 Jahre |
|---|---|---|---|
| 100 € | ~52.000 € | ~122.000 € | ~264.000 € |
| 200 € | ~104.000 € | ~243.000 € | ~528.000 € |
| 300 € | ~156.000 € | ~365.000 € | ~792.000 € |
| 500 € | ~260.000 € | ~608.000 € | ~1.320.000 € |
Deinen ETF-Sparplan simulieren
Wie viel Kapital erreichst du mit deiner Sparrate und Laufzeit? Der Rechner zeigt dir Endkapital, Einzahlungen und Rendite-Anteil.
Zum ETF-Sparplan-Rechner →Zinseszins-Effekt verstehen
Sieh wie exponentielles Wachstum durch Zinseszins funktioniert – und warum früh anfangen so viel mehr bringt als spät anfangen.
Zum Zinseszins-Rechner →Betriebliche Altersvorsorge (bAV)
Bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) fließt ein Teil deines Bruttogehalts direkt in einen Vorsorgevertrag – statt erst als Nettolohn ausgezahlt zu werden. Der Vorteil: Du sparst Lohnsteuer und Sozialabgaben auf den eingezahlten Betrag.
Seit 2019 ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, bei neuen bAV-Verträgen mindestens 15 % des umgewandelten Betrags als Zuschuss beizusteuern. Viele Unternehmen geben mehr – manche 25, 30 oder sogar 50 %.
Wann lohnt sich die bAV? Wenn der Arbeitgeberzuschuss mindestens 15–20 % beträgt UND du in der Auszahlungsphase (Rente) einen niedrigeren Steuersatz hast als heute. Bei höhem Arbeitgeberzuschuss (30 %+) ist sie fast immer attraktiv.
Achtung: In der Rentenphase sind bAV-Leistungen vollständig steuerpflichtig und unterliegen der Kranken- und Pflegeversicherung (ca. 10 % Gesamtabzug). Wer im Rentenalter gesetzlich versichert ist, zahlt auf die volle bAV-Rente Beiträge.
Riester-Rente: Für wen sie sich lohnt
Die Riester-Rente ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt mit jährlichen Zulagen und Steuervorteilen. Der Staat zahlt eine Grundzulage von 175 €/Jahr und eine Kinderzulage von 300 €/Jahr pro Kind (185 € für vor 2008 geborene Kinder).
| Situation | Staatliche Zulage/Jahr | Eigenbeitrag für volle Förderung |
|---|---|---|
| Single, keine Kinder | 175 € | 4 % des Vorjahresbruttos – 175 € |
| Paar (beide riestern) | 350 € | Je 4 % – 175 € pro Person |
| 1 Kind (nach 2008) | 175 € + 300 € = 475 € | 4 % – 475 € Eigenbeitrag |
| 2 Kinder (nach 2008) | 175 € + 600 € = 775 € | 4 % – 775 € Eigenbeitrag |
Riester lohnt sich besonders für: Eltern mit mehreren Kindern (Zulagen decken oft den Großteil des Beitrags), Geringverdiener (Zulage ist relativ zur Einzahlung hoch) und Beamte (Sonderregeln möglich).
Riester lohnt sich weniger für: Gutverdiener ohne Kinder (geringe Zulage, hohe Gebühren), Selbstständige ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (nicht zulagenberechtigt) und Personen die Flexibilität bevorzugen (Kapital ist bis zum Rentenbeginn gebunden).
Rürup-Rente (Basisrente)
Die Rürup-Rente (offiziell: Basisrente) ist primär für Selbstständige und Freiberufler konzipiert, die nicht in die gesetzliche Rente einzahlen. Sie können Beiträge bis zu einem Höchstbetrag von 27.566 € (2026) als Sonderausgaben steuerlich absetzen – das entspricht einer effektiven staatlichen Co-Finanzierung.
Für Angestellte ist Rürup nur in Ausnahmefällen interessant: wenn sie bereits den Riester-Höchstbeitrag ausschöpfen und sehr hohe Steuerbelastung haben (Grenzsteuersatz 42 %+). Der Steuervorteil beim Einzahlen ist erheblich; die Auszahlung ist aber vollständig steuerpflichtig.
Wichtig: Rürup-Kapital ist nicht vererbbar, nicht beleihbar und nicht auszahlbar vor Rentenbeginn (frühestens 62). Diese Rigidität macht es für die meisten Angestellten unattraktiver als ETF-Sparpläne.
Die richtige Altersvorsorge-Strategie
Die optimale Strategie ist keine einheitliche Lösung – sie hängt von Alter, Einkommen, Familiensituation und Risikotoleranz ab. Aber für die meisten Arbeitnehmer gilt folgende Rangfolge:
Zuerst: Notgroschen
Bevor du langfristig anlegst: 3–6 Monatsgehälter als liquide Reserve auf einem Tagesgeldkonto. Nur wer kurzfristige Engpässe abfedern kann, muss sein Langfristkapital nie vorzeitig auflösen.
Basisversorgung: ETF-Sparplan
Für die meisten Arbeitnehmer ist ein ETF-Sparplan auf einen globalen Index (MSCI World, FTSE All-World) die Basis. Niedrige Kosten, hohe Flexibilität, historisch starke Renditen. 10–15 % des Nettoeinkommens als Sparrate anpeilen.
Prüfen: Betriebliche Altersvorsorge
Falls dein Arbeitgeber mehr als 15 % Zuschuss gibt: bAV nutzen. Die Steuer- und Sozialabgabenersparnis beim Einzahlen ist ein direkter Renditevorteil, den du nirgendwo sonst so einfach bekommst.
Optional: Riester für Familien
Hast du Kinder und bekommst die volle Kinderzulage? Dann kann Riester die Lücke zwischen Grundsicherung und Wunschrente kosteneffizient schließen. Vertragsgebühren sorgfältig vergleichen.
Selbstständige: Rürup prüfen
Ohne gesetzliche Rente und mit hohem Grenzsteuersatz ist Rürup steuerlich sehr effizient. In Kombination mit ETFs ergibt sich eine ausgewogene Basis-Strategie.
Faustregel: Das wichtigste ist, überhaupt anzufangen. Ein einfacher ETF-Sparplan mit 100 €/Monat schlägt einen ausgeklügelten Vorsorgeplan, der nie gestartet wird. Perfektion ist der Feind des Guten – besonders bei der Altersvorsorge, wo Zeit der wichtigste Faktor ist.
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